TKO Leukämie Erfahrung
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Im Sommer 2001 brach mein Leben unter mir zusammen. Am 13.07.01 wurde bei mir Blutkrebs entdeckt, ich kam sofort in die Klinik und zwei Wochen später, noch in der Krebsstation, erhielt ich die Kündigung.

Es handelt sich um Philadelphia-Chromosom-positive Chronische Myeloische Leukämie (CML), die - sofern nicht geheilt - zwingend in drei Phasen verläuft: Chronische Phase, Beschleunigungsphase und Endphase. Mit Medikamenten kann CML in ihrem Verlauf - vor allem in der Chronischen Phase - wesentlich verzögert werden. Einige überlebten über zehn, der Durchschnitt ca. sechs Jahre. Heilung gibt es bisher nur für ca. 20% der Patienten durch eine Knochenmarktransplantation.

Drei Wochen wurde ich stationär, seither ambulant zuerst mit Chemotherapie (Litalir) und dann über ein Jahr mit dem Zellbotenstoff Pegintron (PEG-Interferon alpha 2B) behandelt, dem bisher wirkungsvollsten Medikament zur Kontrolle der CML. Aufgrund der heftigen Nebenwirkungen war an Arbeit gar nicht zu denken, mein Leben lag völlig brach und die eigentlich unglückliche Nachricht, daß - kurz nach einer Kur - Interferon bei mir schon nach einem Jahr, viel früher als erhofft, in seiner Wirkung nachließ, war der Vorbote einer Befreiung.

Seit Oktober 2002 bekomme ich das neue „Wundermittel gegen CML“: Glivec (Imatinib), das innerhalb eines Vierteljahres zu einer fast vollständigen Remission der Leukämie geführt hat. Anfänglich zeigte es - nach einer Eingewöhnungsphase - kaum noch Nebenwirkungen. Nach einer notwendigen Dosiserhöung auf 600 mg täglich seit November 2003 waren diese einige Wochen lang wieder angestiegen, aber immer noch deutlich geringer als unter Interferon.

Ich kann mein Leben, das im Juli 2001 zum Stillstand gekommen war, wieder normal gestalten. Es besteht keine Gefahr, plötzlich unerwartet auszufallen, sondern die realistische Hoffnung, etwa vergleichbar einem Diabetiker mit richtig eingestelltem Insulin, durch regelmäßige Einnahme von Imatinib die CML - mit im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren geringen Nebenwirkungen - dauerhaft langfristig zu kontrollieren. Es geht mir heute sogar besser, als im Jahr vor der Diagnose, in dem ich - ohne es zu ahnen - schon auf Reserve lief. Diese Tendenz hält nun schon mehrere Jahre an und zu einem normalen Leben fehlt mir nur noch eine Arbeitsstelle.

Nachtrag 17.03.2017: Nach Reha, Praktika und dem vergeblichen Versuch, als Selbständiger zu arbeiten, fand ich eine Vollzeit-Stelle: zwischen 01.04.2008 und 15.09.2016 arbeitete ich als PHP-Programmierer. Ein neuer, unerträglich falscher Vorgesetzter brachte mich dazu, zu kündigen. Viele Bewerbungen und Vorstellungsgespräche waren erfolglos. Mittlerweile bin ich seit fast einem Jahr Altersrentner. Imatinib wirkt weiterhin, die Nebenwirkungen sind zurückgegangen. Die CML ist nicht wieder aufgeflackert.