TKO Leukämie Erfahrung
Eingang  Inhalt  Kurzfassung  Diagnose  CML  Behandlung  Interferon  Imatinib  Situation  Nachtrag  Links
 <     > 

Die Verarbeitung des Krebs-Schocks und der durch Krankheit und Kündigung innerhalb von wenigen Wochen völlig auf den Kopf gestellten Lebenssituation wurde durch den ersten Lebensretter Interferon fast völlig verhindert. Schliesslich schien es mir im Sommer 2002 nur noch realistisch, mich auf einen müden, trüben Lebensabend einzustellen. Ein Kurarzt empfahl mir Erwerbsunfähigkeitsrente, zumindest auf Zeit.

Doch seit ich Glivec bekomme, fast zwei Jahre nach der Diagnose, bin ich wieder in der Lage, zu planen, zu handeln und zu leben. Ich erlebte ein Aufwachen nach langem Dämmern.
Imatinib verdanke ich innerhalb eines Vierteljahres eine so gut wie vollständige Remission der Leukämie.
Die Blutwerte sind ausgezeichnet und im Knochenmark sind nicht mehr leukämische Zellen zu finden, als bei Gesunden. Doch um auch diese letzten Spuren Philadelphia-Chromosom-positiver Leukozyten zu entfernen, wurde meine Dosis von 400 auf 600 mg Glivec täglich erhöht, was die Nebenwirkungen, vor allem gastrointestinale Störungen (Blubbern, Bauchgrimmen, Blähbauch) und Müdigkeit, zuerst einmal heftig verstärkt hat. Dennoch sind diese im Vergleich zu Interferon deutlich geringer.

Tatsache ist leider auch weiterhin, daß sich jedes Jahr trotz intensiver Behandlung bei einigen Kranken die CML „entschließt“, ihre kaum noch aufzuhaltenden Endphasen (Akzeleration, dann terminale Blastenkrise) zu beginnen. Mit Chemotherapie und/oder dem bisherigen Standardmedikament Interferon überlebte der Durchschnitt ca. vier bis sechs Jahre, einige über zehn. Bei mir fing es nach einem Jahr an, seine Wirkung zu verlieren.

Auch Imatinib hat zwar schon bei einigen Patienten seine Wirksamkeit verloren, aber die Onkologen erwarten eher eine längere Verzögerungswirkung, als durch Interferon und so hoffe ich, daß in dieser Zeit weitere Medikamente/Verfahren entwickelt werden, die mir die Knochenmarktransplantation als letzte hochriskante Maßnahme ersparen. Hoffnung geben auch Erfolge mit Kombinationsbehandlungen, z.B. Glivec plus niedrig dosiertes Interferon. Und es sind * weitere Substanzen im Blickfeld der Wissenschaftler, z.B. Farnesyl, das dann greift, wenn eine Resistenz gegen Imatinib auftritt.

Die Nebenwirkungen sind nur noch gering, Muskelkrämpfe so gut wie verschwunden, Übelkeit und Unwohlsein nach Glivec-Einnahme nur noch selten bzw. gering.

Schon seit Februar 2003 bin ich nicht mehr krankgeschrieben, da am 15. Januar 2003 meine vierte Knochenmarkpunktion erfolgte, die schon damals eine sehr positive Prognose erlaubte. Diese wurde auch durch die bisher letzte, sechste Knochenmarkentnahme vom 29.11.03 weiter bestätigt.

Seither sind weitere vier Jahre vergangen. Eine einjährige Reha-Massnahme, anschliessend ein halbes Jahr Auftragsarbeiten als Freiberufler und eine Zeit der Auftrags-/Arbeitslosigkeit liegen hinter mir. Eine ganztägige, halbjährige Weiterbildungsmassnahme in einem gefragten Bereich meines Berufs konnte ich ohne Probleme mit sehr gutem Abschluss absolvieren. Glivec hat auf der ganzen Linie gesiegt. Zum normalen Leben fehlt mir nur noch eine Arbeitsstelle.