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Störungen und Klärungen, von Friedemann Schulz von Thun, rororo Sachbuch 17489
Kommunikation betrifft jeden. Keine persönliche oder berufliche Beziehung ohne Gespräch. Doch was passiert genau, wenn mindestens zwei miteinander sprechen? Was wird gesagt, was ist gemeint, was passiert zwischen den Zeilen? Kommunikationspsychologen behaupten, dass klare, herrschaftsfreie und offene Kommunikation Kriege überflüssig macht; doch wir alle haben schon erlebt, wie schwierig, verwirrend und missverständlich schon „normale“ Gespräche sein können - am Ende sind die Probleme oft noch größer als zuvor…
Der Autor ist Hochschullehrer im Fachbereich Psychologie, seine „Miteinander Reden “-Trilogie mittlerweile Standard in Schule und Beruf, und das aus gutem Grund: er macht Kommunikation durchschaubar und ermöglicht es damit, bewusster und effektiver miteinander umzugehen. Hier ein Beispiel gleich zu Beginn: Jede Nachricht hat 4 SeitenTypische Alltagssituation, in der jedoch mehr zu entdecken ist, als auf den ersten Blick wahrgenommen wird. Hier wird erläutert, dass wir mit jeder Nachricht eine Sachaussage treffen, einen direkten oder indirekten Appell an unser Gegenüber richten, etwas über uns selbst offenbaren und etwas über die Beziehung zum Gegenüber aussagen. In unserem Beispiel also:
Des Weiteren erläutert der Autor, dass wir ebenso mit 4 Ohren auf der Sach- Beziehungs- Selbstoffenbarungs- und Appell- Ebene hören. Ein Therapeut ist zum Beispiel darauf trainiert, in Botschaften seines Klienten dessen Selbstoffenbarung herauszuhören. Jemand mit überempfindlichem Beziehungs-Ohr bezieht schnell alles auf sich und fühlt sich schnell angegriffen und so weiter. Ebenso erfahren wir, wie „das Kind in uns“ spricht, wie Botschaften und Appelle versteckt vorgebracht werden, also wie Manipulation funktioniert und vieles mehr. Auch die nonverbale Kommunikation (Gestik und Mimik) und deren nicht unerheblicher Bestandteil des Miteinanders kommen hier nicht zu kurz. Ein Extrakapitel nimmt sich schriftliche Kommunikation, also Texte, vor und untersucht sie auf die vom Autor benannten „4 Verständlichmacher“
Er entlarvt dabei vieles als unzulänglich, weil nicht verständlich nach seinen Kriterien: Wissenschaftler labern umständlich und klugscheißerisch, gespickt mit überflüssigen Fremdwörtern - um Eindruck zu schinden und Bewunderung ob ihrer Allwissenheit einzuheimsen („Boah ey, sind die klug, aber ich armes Dummerchen versteh ja gar nichts“). Showstars labern viel dummes Zeug, anstatt klarer Ansagen, Amtsdeutsch ist lebensfremd etc. Worauf kommt es an bei Kommunikation?Schulz von Thun legt den Schwerpunkt auf die Stimmigkeit in der Kommunikation, also auf die Ausgewogenheit der Wortwahl in Übereinstimmung mit der Beziehung zu meinem Gegenüber und der Situation. Daher bietet er keine immergültigen Kommunikationsregeln an, im Gegenteil: Ein Kapitel seines Buches befasst sich intensiv mit der Unglaubwürdigkeit auswendig gelernter Kommunikationspsychologie. Manchmal ist ein lautes: “Jetzt reicht`s mir aber!“ stimmiger als ein zurückgelehntes: “Du, das bringt mich jetzt aber echt an meine Grenze, du...“- Psychogesülze. Einige Eckwerte kann man aber schon für sich herauslesen:
Obwohl ich psychologisch nicht unbeleckt bin, hatte ich beim Lesen viele erhellende Momente und „Aha`s“. Der Autor erfüllt seine eigenen Richtlinien und schreibt (fast immer) in normalem Alltagsdeutsch mit verständlichen, lebensnahen Beispielen, nimmt klärende Grafiken zu Hilfe und belehrt nicht von oben herab. Wer gerne hinter die Kulissen des alltäglichen Miteinanders schauen möchte, wer mögliche Auswege aus festgefahrenen Beziehungen sucht, kann hier eine Menge gewinnen. Außerdem:
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