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Bowinkelmann Interview

Durch die Teilnehmer lernte ich eine andere Herangehensweise an das Leben.

Es ist sehr spannend, mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Milieus zu arbeiten.

Im Rahmen der Interviews der BTZ-Mitarbeiter ist in dieser „Ente“-Ausgabe Marc Bowinkelmann an der Reihe.

Steckbrief

Ente: Wie es für diese Interviewreihe üblich ist, beginne ich das Gespräch mit einigen Fragen zu Ihrer Person. Wie ist Ihr Familienstand?

Herr Bowinkelmann: Ich bin ledig.

Ente: Haben Sie Kinder?

Herr Bowinkelmann: Nein.

Ente: Welche Hobbys haben Sie?

Herr Bowinkelmann: Zu meinen Hobbys gehören die Musik – ich spiele Schlagzeug in einer Band -, Lesen und Fahrrad fahren. Außerdem interessiere ich mich für Politik.

Ente: Was lesen Sie gerade?

Herr Bowinkelmann: Eine Biographie über Theodor Adorno*) von Detlev Claussen.

Ente: Welche zeitgenössische oder geschichtliche Person finden Sie gut?

Herr Bowinkelmann: Theodor Adorno. In seinem Leben geht es um die Thematik Judentum und Drittes Reich, was mich beides sehr interessiert. Außerdem bietet er Gedanken zum Weiterdenken an.

Ente: Was ist Ihr Lebensmotto?

Herr Bowinkelmann: Als Leitspruch für mein Leben könnte ich die Worte „Carpe diem“ – „Nutze den Tag“ nennen. Ich arbeite jedoch daran, dieses nicht allzu zwanghaft zu sehen.

1)   Ente: In den folgenden Fragen gehen wir auf Ihren Beruf und Ihre Tätigkeit im BTZ ein: Wie ist Ihr beruflicher Werdegang und wie sind Sie zum BTZ gekommen?

Herr Bowinkelmann: Nach dem Abitur und dem Zivildienst habe ich Sonderpädagogik studiert. Im Anschluss daran habe ich einen Aufbaustudiengang Diplompädagogik begonnen und im Sommer abgeschlossen. Zu meiner Stelle im BTZ bin ich auf typisch kölsche Art gekommen, nämlich über Beziehungen. Frau Greiner aus dem ITB / DL machte mich darauf aufmerksam, dass jemand für den Förderunterricht im BTZ gesucht wird. Ohne diese Stelle hätte ich weiterhin für zwei Monate im Jahr in der Fabrik arbeiten müssen, um mein Studium zu finanzieren.

2)   Ente: In welcher Funktion waren Sie im BTZ? Wie sah Ihr Tätigkeitsfeld aus?**)

Herr Bowinkelmann: Meine Aufgabe war es, in einem Förderunterricht für Teilnehmer schulische Versäumnisse nachzuholen. Inhaltlich war die Tätigkeit sehr vielseitig.

Es ist sehr spannend, mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Milieus zu arbeiten.

3)   Ente: Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Herr Bowinkelmann: Erst einmal der Inhalt. –Ich konnte selber Kenntnisse wieder auffrischen. Es war auch sehr spannend, mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und verschiedener Milieus umzugehen. Auch die Einbindung in ein Team hat mir gefallen. Die Arbeit mit Erwachsenen machte mir sehr viel Spaß.

Mich hat die andere Sichtweise, mit der psychisch Kranke ihre Welt wahrnehmen, gereizt.

4)   Ente: Warum arbeiten Sie ausgerechnet mit psychisch Kranken zusammen?

Herr Bowinkelmann: Ich bin aus Zufall zu dieser Arbeit gekommen. Früher habe ich mit Kindern, die eine geistige Behinderung hatten, gearbeitet. Im BTZ hat mich die andere, sich selbst reflektierende Sichtweise gereizt, mit der psychisch Kranke ihre Welt wahrnehmen .Diese andere Sichtweise hat positiv auf meine eigene Persönlichkeitsbildung gewirkt.

5)   Ente: Welche Erfahrungen haben Sie mit den Teilnehmern gemacht?

Herr Bowinkelmann: Ausschließlich positive. Auch von Seiten des Teams habe ich große Offenheit erfahren. Ich war als freier Mitarbeiter in einer privilegierten Stellung und habe sehr viel gelernt.

6)   Ente: Was würden Sie den Teilnehmern mit auf den Weg geben?

Herr Bowinkelmann: Ich würde Sie ermuntern, zu versuchen, ein glückliches Leben zu führen. Voraussetzung dazu sind Entscheidungsfreiheit, Autonomie, Selbstbe-wusstsein und materielle Sicherheit.

Haben Sie etwas von den Teilnehmern gelernt?

7)   Ente: Was haben Sie von den Teilnehmern zurückbekommen? Haben Sie vielleicht auch von Ihnen etwas gelernt?

Herr Bowinkelmann: Ich habe eine andere Sicht von Arbeit kennen gelernt, nämlich, dass Arbeit auch zur Gesundung der Teilnehmer beitragen kann. Außerdem habe ich durch meine Tätigkeit im BTZ mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit den Teilnehmern und Vorgesetzten bekommen. Nun kann ich mich sehr viel besser in Menschen hineindenken. Ferner lernte ich durch die Teilnehmer eine andere Herangehensweise ans Leben. Ich bin durch die Erfahrung im BTZ bodenständiger geworden; meine Theorien über das Leben konnte ich reflektieren.

Wenn Geld keine Rolle spielen würde...

8)   Ente: Wenn Geld keine Rolle spielen würde, was würden Sie für das BTZ gerne tun?

Herr Bowinkelmann: Als erstes würde ich dem Gebäude einen anderen Anstrich geben. Und ich würde eine Umfrage starten, was von Seiten der Teilnehmer gewünscht und nötig ist und dieses auch umsetzen.

9)   Ente: Was finden Sie gut im BTZ?

Herr Bowinkelmann: Ich habe den zwischenmenschlichen Umgang im Hause als sehr, sehr positiv empfunden. Ich bin immer sehr ernst genommen worden; meine Tätigkeit wurde geschätzt.

Wie sehen Ihre beruflichen Ziele aus?

10)   Ente: Wie sehen Ihre beruflichen Ziele aus?

Herr Bowinkelmann: Nach meinem Examen bin ich jetzt auf Stellensuche. Eine Stelle in der Erwachsenenbildung könnte mich reizen.

11)   Ente: Lesen Sie die „Ente“?

Herr Bowinkelmann: Als ich noch im BTZ angestellt war, habe ich sie immer gelesen.

12)   Ente: Was finden Sie gut, was weniger gut an der „Ente“?

Herr Bowinkelmann: Sehr gut finde ich, dass man mit der „Ente“ noch ein zusätzliches Forum hat, seine Meinung außerhalb des sonst üblichen Rahmens zu äußern. Für die „Ente“ wünschte ich mir jedoch ein individuelleres Layout.

Herzlichen Dank, Herr Bowinkelmann, für das Gespräch und beruflich alles Gute!

*) 1903 – 1969, Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker u. Komponist
**) Nach bestandener Diplomprüfung und damit auch nach Verlust des Studentenstatus` ist eine freiberufliche Weiterbeschäftigung im BTZ nicht mehr möglich.


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