Glücklicherweise konnte ich an einer Studie teilnehmen, die eine neue, chemisch gekapselte (pegylierte) Interferon-Variante (PEG-Interferon alpha 2B, Pegintron) klinisch testete. Statt täglich brauchte das Interferon so nur einmal in der Woche als Depot ins Bauchfett injiziert zu werden und zeigte so weniger Nebenwirkungen. Der Tag der Spritze wurde auf Freitag gelegt, damit die sehr unangenehmen Tage aufs Wochenende fallen und die übrige Woche halbwegs normal wird. Nach einigen Monaten wurde ich angeleitet, mir selber subkutan ins Bauchfett zu spritzen.
Anleitung für Freitagabend, um sich das Wochendende mithilfe von
Peggy Tron gründlich zu verderben:
Hände waschen, dabei im Spiegel eine neue Stelle am Bauch suchen
und merken (schon benutzte Stellen sind über Wochen hin als rote mandarinengroße
Stellen zu sehen). Utensilien: Interferon-Durchstechampulle aus dem Kühlschrank
holen. Spritze, Nadeln, Lösungsmittel (Wasser in Knickampulle), Desinfektionsmittel
und Tupfer zurechtlegen.
Die lange dicke Nadel und die Pumpe auspacken und zusammensetzen. Oh.
Die so entstandene Spritze festhalten (nicht hinlegen). Die Wasserampulle
durch mutiges Knicken köpfen. Dabei einen Tupfer um den Ampullenhals
legen, falls es mal splittert. Au. Das Wasser in die Spritze ziehen und
die Schparitze ins Interferon-Pülleken stecken. Ah. Das ganze gut
durch Kreisbewegungen vermischen, nicht geschüttelt und nicht gerührt.
Aha. Die richtige Dosis (etwas mehr als 0,24 ml entsprechend 260 µg
Pegintron) in die Pahumpe saugen. Die lange Nadel von der pampigen Pumpe
entfernen und die kurze dünne aus der Hülle popeln und aufstecken.
Die Spritze mit der Nadel nach oben halten, Luftblasen durch Klopfen dazu
bringen, sich oben zum Gebet zu versammeln und so die Luft aus der warm
gun drücken. Pfft. Desinfektionsmittel auf die ausgesuchte Stelle
sprühen, mittem Tupferli trocknen. Wsch. Mit der einen Hand eine Falte
fettes Bauchhautgewebe zusammenraffen und dahinein mit einer leichten Bewegung
die spitze Spritze pieksen. Hui. Tut gar nicht weh, wie'n Muggenstich,
doch der besorgte Blick auf die kurze, dünne aber blitzespitze Nadel
und die kleine Angst blieb immer vor dem Einstich auch nach dem 20sten
Mal. Beim Bauchfett kann darauf verzichtet werden, zuerst etwas anzusaugen,
um einen potentiellen Blutgefäßtreffer zu entdecken. Dann langsam
den Stoff hineindrücken. Uff. Das größte Problem ist die
Sterilität der Utensilien und der Vorgehensweise, um sich keine Entzündung
zu erzeugen.